Wellenreiten statt Internetsurf.

08.10.2018 Kategorien: Für Freelancer, Für Unternehmen, Was passiert bei uns

Ich sitze momentan in meinem Camper und schaue in der Nähe von Lorient in der Bretagne auf den Atlantik. Die Flut treibt das Wasser zurück in die kleine Bucht. Ein Sandstrand, gesäumt von grob geschnitzten Felsen, umrahmt das smaragdgrüne Wasser. Ein paar Wolken hängen am Horizont. Die Wellen sind zwar heute nicht perfekt, aber gut genug für mich, um weiter an der links ablaufenden Welle zu arbeiten. Wo ich mit meinem Bus morgen stehen und mich in die Wellen schmeißen werde, weiß ich noch nicht. Aber es geht weiter gen Süden. Insgesamt sechs Wochen Zeit habe ich mir für die nur grob geplante Reise erlaubt.

Freelance Partner führungslos?!

Während meiner kleinen Auszeit versuche ich die Arbeit größtenteils ruhen zu lassen, was mir nicht leichtfällt. Nur hin und wieder erlaube ich mir das Sichten eingehender Nachrichten. Der Auto-Reply informiert über meine Abwesenheit sowie darüber, dass aktuell alle Entscheidungen autark von meinem Team bei Freelance Partner getroffen werden. Egal, ob es sich um konkrete Bedarfe von Kunden, Anliegen hochqualifizierter Kandidaten (m/w/d), Änderungen an unserer internen IT-Landschaft, Anpassungen von Prozessen und Abläufen, der Auszahlung von Gehältern und Gewinnbeteiligungen, Vertragsverhandlungen, Teilnahme an Netzwerkveranstaltungen oder auch buchhalterische Angelegenheiten handelt – alles läuft die Tage ohne mich, den Gründer und Geschäftsführer.

Unser Rezept für eine autonom funktionierende Firma!

Ist das grob fahrlässig und leichtsinnig von mir? Par contre! Seit Gründung der Firma vor viereinhalb Jahren ist es mir wichtig, dass diese auch ohne mich eine hohe Qualität bei gleichzeitig hoher Quantität hinsichtlich der Vermittlung von Freelancern und Interim Managern für zeitlich befristete Projekte oder Überbrückungsvakanzen umsetzen kann. Dafür braucht es auch nur Mitarbeitende, die mit Erfahrung, Herz und Verstand agieren. Meine Rezeptur dafür versuche ich noch vor der auflaufenden Flut im Folgenden kurz zu skizzieren:

Werte und Prinzipien als Leuchtturm.

Wir bei Freelance Partner versuchen nach bestem Wissen und Gewissen nach den Grundsätzen des „ehrbaren Kaufmanns“ zu handeln – intern wie auch extern. Dazu gehören für uns u.a. das Prinzip des Handschlags, der schonende Umgang mit Ressourcen, ein wertschätzender und lern-orientierter Umgang miteinander, das Ausschließen unlauterer Wettbewerbsvorteile sowie das Ausüben gesellschaftlichen Engagements.

Der kategorische Imperativ mag genau wie der „ehrbare Kaufmann“ etwas verstaubt anmuten, hat jedoch aus unserer Sicht den Charakter eines Ever-Greens. Natürlich gelingt es nicht immer, sich so zu verhalten, wie man es selbst von anderen erwartet. Der Versuch ist es auf alle Fälle wert. Selbst, wenn es um Geld geht. Oder gerade dann!

Werte und Prinzipien haben Bestand. Monetär-zentriert getroffene Entscheidungen sind meiner Erfahrung nach überwiegend kurzfristiger Natur und auf lange Sicht schadhaft. Netzwerker, wie wir es sind, haben hier keine Wahl.

Solange die Basis der Unternehmenswerte intern klar ist, kann die operative Handlung der Einzelnen nicht komplett falsch liegen. Daran glauben wir.

Transparenz schafft Vertrauen.

Bei Freelance Partner haben wir alle Gehälter und Gewinnbeteiligungen intern offengelegt. So beugen wir vagen und haltlosen Vermutungen vor.

Ebenso haben wir jegliche Kosten des Unternehmens intern offengelegt und ich stehe für Fragen diesbezüglich zur Verfügung. Nur wenn mein Team versteht, was es bedeutet, wirtschaftlich zu handeln, kann ich erwarten, dass auch von ihm entsprechend gehandelt wird. Auch, wenn ich selber nicht an Bord, sondern wie heute gleich auf dem Board bin.

Freiheit macht Macher.

Die festen Arbeitszeiten haben wir abgeschafft. Ebenso die feste Vorgabe, im Büro arbeiten zu müssen. Wann und wo mein Team erfolgreich netzwerkt, dürfen, können, und sollen meine Mitarbeitenden selbst entscheiden. Schließlich kommunizieren wir extern auf höchster Ebene mit Unternehmen sowie mit fachlich anspruchsvollen Freelancern und Interim Managern. Da darf intern kein „Hundezwinger“ gebaut werden.

Außerdem liegt es wohl in der Natur des Menschen, sich zu engagieren und gute Arbeit zu leisten. Man muss sie nur machen lassen und für unterstützende Rahmenbedingungen sorgen.

Zielvorgaben töten Motivation.

Es wurde bereits mehrfach empirisch untermauert, dass Gehälter, die an Zielvorgaben gebunden sind, die intrinsische Motivation systematisch abbauen. Es wird dann nämlich zunehmend nur noch versucht, jenes Belohnungssystem zu bespielen. Die Folgen: den Kunden werden Lösungen verkauft, die nicht perfekt passen, um die Ziele zu erreichen. Das kann die Kunden langfristig frustrieren. Nicht gut! Außerdem – sorry – die meisten Ziele sind doch ohnehin nur einfache Vorgaben. Ziele werden schließlich bilateral vereinbart! Auch von anderen Mitarbeitenden werden Kunden mal eben übernommen, um noch auf die richtigen Zahlen zu kommen. Der Inhalt, die Lösung für den Kunden, fällt gänzlich aus dem Fokus.

Deshalb arbeiten wir bei Freelance Partner nach individueller Kostendeckung mit einer transparenten und direkten, monatlich ausgeschütteten Gewinnbeteiligung. Großer Kuchen, großes Stück. Kleiner Kuchen, kleines Stück. Niemand muss unnötig Druck durch willkürlich gesetzte Ziele erleiden. Und ich muss keinen unnötigen Druck ausüben. Gut fürs Herz. Gut für alle.

Vertrauen kennt keine Alternative.

Selbstredend wurde ich bereits intern wie auch extern enttäuscht. Nichtsdestotrotz sehe ich nach wie vor keine Alternative dazu, meinem Team und unseren externen Kooperationspartnern zunächst zu vertrauen. Wie sähe denn ansonsten unser Arbeiten aus? Während ich kontrolliere, würde ich nichts anderes voranbringen können. Das ist aus meiner Sicht wenig förderlich.

Ohne Feedback kein Lernen. Ohne Lernen keine Verbesserung.

Feedback zu geben und zu nehmen kann hart und fordernd sein. Aber auch das sehe ich als alternativlos. Ohne Rückmeldung können wir nicht lernen und uns somit auch nicht verbessern. Eine ständige Optimierung ist jedoch unser Anspruch. Also, im Sinne der Sache immer hart, im Ton jedoch menschlich bleiben. Das gelingt nicht immer, der Versuch ist jedoch Pflicht.

Werden Fehler gemacht, dann muss auf dem Schuldigen nicht zusätzlich herumgetrampelt werden. Meist fühlt sich die Person ohnehin bereits miserabel. Die erste Frage bei Freelance Partner nach einem Fehler lautet: „Was ist Dein Learning?“. Der Fehler wurde ja nun einmal gemacht. Die Zukunft können wir aber mit dem neu gewonnenen Wissen konstruktiv beeinflussen. Also – Mund aufmachen, Feedback geben, nehmen und besser werden!

 

Wer sich zu diesen Themen mit uns austauschen möchte, ist herzlich dazu eingeladen. Ich selbst bin allerdings ab dem 15. Oktober erst wieder erreichbar. Schließlich ist die Vorhersage für die Wellen auch in den nächsten Tagen noch zu verlockend…!

 

Work hard and surf on!

Milan Uhe

 

PS: Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich meinem Team für ihre harte Arbeit, ihre Loyalität und Bereitschaft, das Beste zu geben, danken. Ebenso gilt mein Dank allen loyalen Kunden, Freelancern und Interim Managern, die wir in unserem Netzwerk kennen. Ohne diese wäre es nicht möglich, eine von der Norm abweichende Unternehmenskultur in der Branche der Personalvermittlung zu schaffen und dabei gleichzeitig überraschend erfolgreich zu sein. Danke!

 

Literatur:

  • Vollmer, L. (2017). Wie sich Menschen organisieren, wenn ihnen keiner sagt, was sie tun sollen. Intrinsify.me GmbH, Alföldi, Debrecen/Ungarn
  • Precht, R. D. (2018). Jäger, Hirten, Kritiker. Eine Utopie für die digitale Gesellschaft. Wilhelm Goldmann Verlag, München.
  • Pink, D. (2009). Drive. The surprising truth about what really motivates people. Riverhead Books, New York.